Mystisch anmutende, wie vom Nebel verschlungene Meereslandschaften.

Bachläufe die fast schon kitschig an Märchenhafte Paradiesumgebungen erinnern.

Dieser Nebeleffekt bei nicht stehenden Gewässern beruht darauf, dass jegliche Bewegung des Wassers, seien es Meereswellen oder Bachläufe, durch entsprechend lange Belichtungszeiten zunehmend verschwimmt, krass gesagt, die Bewegungsunschärfe nimmt so stark zu, dass am Ende nur sichtbarer „Nebel“ bleibt. Spannend wird es hierbei natürlich wenn starre erkennbare Elemente wie Steine und Felsen in die Bildkomposition mit einfließen.

Wie lange wird nun für diesen Effekt belichtet?

Nun, das hängt ganz davon ab, wie stark der Nebeleffekt sichtbar sein soll.

Es gibt viele Leute die möchten das Wasser nicht komplett im Nebel verschlungen sehen, sie möchten noch halbwegs erkennbare Wellen am Meer erkennen. Hierfür rate ich zu einer Belichtung von nur wenigen Sekunden, oder noch knapper. Experimentieren mit den Belichtungszeiten ist ein Schlüssel zum Erfolg.

Möchte man den Wassernebel aber richtig intensiv im Bild, fernab der Realität abbilden, so kann die Belichtungszeit auch bis in den Minutenbereich gelangen.

Hauptentscheidend ist in jedem Falle, wie viel Licht ist vorhanden, wie lange ist es mir überhaupt möglich maximal zu belichten?

Zu später Stunde am Abend kommt man auch ohne weitere Hilfsmittel schnell in die gewünschten Langzeitbelichtungen, aber am helllichten Tage, wird es schwierig für mehrere Sekunden eine Szene zu belichten, dies ist aber zwingend notwendig um den gewünschten Nebeleffekt zu erhalten.

Lösung hierfür ist der sogenannte Graufilter, der in klassischer Form am Objektiv ins Filtergewinde eingeschraubt wird.

Je nach Stärke des Graufilters wird das Licht nun mehr oder weniger vermindert durch das Objektiv auf den Sensor geleitet. Man kann sich das ähnlich einer starken Sonnenbrille vorstellen, die Umgebung wird sofort spürbar dunkler wahrgenommen, d.h. im Umkehrschluss, die Belichtungsmessung der Kamera wird mit aufgesetztem Filter die Belichtungszeiten entsprechend der Stärke des Filters verlängern.

Der Verlängerungsfaktor der Belichtungszeit ist im Normalfall in der Produktbeschreibung des Filters angegeben, z.B. gibt es Graufilter mit Faktor 4x, 8x, aber auch 64x oder gar 1000x.

Letzteren mit Faktor 1000x besitze ich und ist in der Wirkung schon recht extrem. 1000x heißt, die gemessene Belichungszeit ohne aufgesetzten Filter wird um den Faktor 1000 verlängert.

Zum Beispiel werden aus einer 1/250s gleich mal  4 lange Sekunden,  man kann sich vorstellen wie dunkel dieser Filter sein muss. Man sollte sich vorher Gedanken darüber machen, wir stark der Graufilter das Licht schlucken soll. Ein kleinerer Verlängerungsfaktor dürfte in der Handhabung etwas einfacher sein.

Und genau hier treffen wir auf ein Problem bei den sehr starken Graufiltern. Sieht man bei aufgeschraubtem Filter durch den Kamerasucher, so erkennt man auch bei hellem Tageslicht so gut wie nichts mehr.  Somit kann auch die Kamera nicht mehr korrekt messen und schon gar nicht ordentlich fokussieren.  Das ganze verhält sich ähnlich als wenn man den Objektivdeckel vergessen hat von der Frontlinse abzunehmen.

Was also tun?

Es gibt 2 Lösungsansätze die ich beide mit Erfolg durchführen konnte:

  1. Sollte die Kamera über eine Liveview-Funktion verfügen, so kann man versuchen mittels Bild am Display das Motiv anzumessen und zu fokussieren. Auf dem Display nimmt man noch eher Bildinformationen wahr, als beim Blick durch den völlig dunklen Sucher.   Wenn dies klappt, nur noch auslösen und man hat ein entsprechend korrekt langzeitbelichtetes Bild am Tage.
  1. Wenn der Trick mit Liveview nicht funktioniert, kein Liveview vorhanden ist, muss man der Kamera Arbeit abnehmen. Ich muss selbst fokussieren, meine benötigte Belichtungszeit selbst ermitteln und eingeben. Dazu nehme ich den Graufilter zunächst vom Objektiv, fokussiere mein Motiv und schalte den Autofokus ab in den manuellen Fokus. So verstellt mir die Kamera später nicht meine gewünschte Schärfeebene.

Die gemessene Belichtungszeit notiere ich mir und multipliziere sie mit dem Faktor des verwendeten Graufilters. Hat die Kamera also ohne Filter als Zeit z.B. eine 1/400s ermittelt, so wird bei Faktor 1000x eine Zeit von 2,5 Sekunden. Die eingestellte Blende bleibt gleich.

Mit dieser Information setze ich den Graufilter wieder aufs Objektiv, und gebe im Modus M der Kamera den Blendenwert und den errechneten Belichtungswert manuell ein, ich muss ja auf die nicht funktionierende Kameraautomatik verzichten.

Die meisten Kameras lassen eine Zeit von maximal 30s zur Eingabe zu, bei noch längeren Belichtungszeiten muss man in den sogenannten Bulb-Modus wechseln, bei Canon dreht man im M-Modus so lange an der Zeit bis am Ende ein „B“ für Bulb erscheint.  Aktuellere Kameras wie zum Beispiel die 5DMKII besitzen einen eigenen B-Modus am Einstellrad. Im Bulb-Modus kann man dann solange belichten wie gewünscht bzw. ermittelt, sei es durch halten des Auslösers oder durch den Einsatz eines Fernauslösers mit Feststellfunktion.

Somit sollte auch jetzt ein korrekt langzeitbelichtetes Bild gelingen.

Damit ich mir nicht jedes Mal mühsam die Belichtungszeit errechnen muss, habe ich mir eine kleine Tabelle angefertigt, auf der die umgerechneten Zeitwerte aufgelistet sind.

Zum Schluss noch ein fotografisches Making Of und einige hilfreiche Tipps für gelungene Langzeitbelichtungen.

  • Unbedingt ein Stativ verwenden,  besonders ab dem Sekundenbereich
  • Einschalten der Spiegelvorauslösung kann ein leichtes Verwackeln durch den Spiegelschlag verhindern.
  • Auch der Einsatz eines Fernauslösers ist für wackelfreie Aufnahmen von Vorteil
  • Niedrigste eingestellte ISO an der Kamera sorgt für umso rauschärmere Bilder. Lieber länger belichten.



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5 Comments to “Die Magie des Graufilters – Ein kleiner Guide”

  1. Philipp sagt:

    @Bjoern: Ahh.. Wieder was gelernt ;) Danke, wusste ich gar nicht dass man in den Automatikmodi nur max 30 Sekunden wählen kann… Dazu habe ich wie du auch, sonst immer M benutzt.

  2. Bjoern Gundermann sagt:

    @Philipp:
    Die Kamera lässt in den Automatik-Modi “nur” eine maximale Belichtungszeit von 30 Sekunden zu.
    Da ich in diesen Langzeitbelichtungen aber oftmals länger als die möglichen 30 Sekunden belichten möchte, muss ich in den Modus “bulb” umschalten, hier kann ich dann so lange belichten wie ich möchte. Aus diesem Grund muss ich vorher die benötigte Belichtungszeit selbst berechnen da die Kameraautomatik hier nicht greifen kann.

    Gruß
    Björn

  3. Philipp sagt:

    Toller Bericht. Danke dafür.
    Was ich aber nicht ganz verstehe ist folgendes (vielleicht stehe ich aber auch einfach nur auf dem Schlauch):
    Bei der zweiten Methode um das Motiv korrekt zu fokussieren, stellst du die Kamera ja auf manuellen Fokus und fokussierst ohne den Filter. Warum errechnest du dir die Verschlusszeit dann noch? Wenn du den Filter wieder drauf schraubst, kannst du die Kamera doch trotzdem in einem der Automatik-Modi belassen (mit deaktiviertem Autofokus). Dann berechnet die Kamera doch selbstständig die benötigte Verschlusszeit, oder sehe ich das falsch?

  4. Bjoern Gundermann sagt:

    @Jochen:
    im Prinzip kommt es halt darauf an, wie extrem Du Langzeitbelichtungen gestalten willst.
    Möchtest Du z.b. am hellichten Tage eine vielbefahrende Kreuzung ohne Autos fotografieren, brauchste schon nen recht guten Verlängerungsfaktor. Der 8x wäre mir persönlich etwas dünn.
    Nen 64x wäre schon ne gute Option. Er verlängert ordentlich die Zeiten, dürfte vom Handling aber noch halbwegs angenehm sein.
    Und wenn es dann doch nicht reicht, kann man immer noch einen stärkeren Filter hinzuordern.

  5. Jochen sagt:

    Wow, das sind tolle Bilder und es ist ein sehr interessanter Bericht. Ich überlege schon etwas länger, mir auch einen Graufilter zuzulegen, bin aber immer noch nicht sicher, ob es ein 8x oder 64x werden soll.

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