Lange ist es still um mich gewesen. Zum einen habe ich mich Beruflich verändert, zum anderen musste ich mal die Tapeten wechseln und zog in ein neues Zuhause. Inmitten des ganzen Umzugs Heiratete ein befreundetes Paar – die Einladung kam sehr früh, genauso, wie die Bitte ob ich nicht die ganze Feierlichkeit Fotografisch begleiten könnte. Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen, obwohl mir schon etwas mulmig dabei war – bei einer solch großen Verantwortung.

Die Entscheidung zum Ja, dass ich die Hochzeit begleiten werde, kam sehr überlegt von mir. Ich liebe die Herausforderung neues zu Probieren – und das ganze war komplettes Neuland für mich. Ich war zuvor Gast auf so mancher Hochzeit oder habe auf einigen bedient und mit organisiert. Aber Fotografiert habe ich noch keine. Was also tun um der Herausforderung gewachsen zu sein? Hierüber möchte ich kurz ein wenig Berichten, um den einen oder anderen auch seine Entscheidung zu einem Ja oder Nein zu erleichtern. Ich möchte hier nicht auf meine Arbeitsweise oder das Fotografieren an sich eingehen sondern vielmehr auf das was lange vorher ist – die Vorbereitung des Fotografen.

Das größte Problem bei einer Hochzeit ist es, dass fast kein Moment 2mal passiert. Die einzigen Momente die 2 mal geschehen sind der Ringtausch und der Kuchenanschnitt. Beim Rest gibt es nur den einen ersten Kuss oder den einen Auslauf aus der Kirche. Man sollte sich also im vornherein klar sein, dass eine extrem hohe Last auf einen sitzt. Allerdings darf man sich davon nicht verrückt machen. Denn die wichtigsten Momente einer Hochzeit passieren zu 90% an einem festgelegten Ort und zu einer absehbaren Zeit. Der Kuss nach dem Ringwechsel ist zu erkennen wenn der Ring gewechselt worden ist. Der Ringwechsel steht im Programm und man kann sich daran orientieren.

Wie habe  ich mich also nun vorbereitet?

Der für mich wichtigste Punkt war zu Wissen, was auf einer Hochzeit alles passieren kann. Durch einige Hochzeitserfahrungen von mir wusste ich, dass es den Brautstraußwurf gibt oder die üblichen Spiele nach der Kirche bzw. die Glückwünsche nach der Kirche…. ich kann hier noch etliche Gegebenheiten aufzählen. Um nun zu Wissen wo der Großteil der Hauptgeschehnisse geschieht ist es wichtig sich mit den Organisatoren (Brautpaar, Trauzeugen etc.) kurz zu schließen. Umso mehr genaue Eckpunkte man hat, umso besser kann man sich auf die vielen anderen spontanen Momente einlassen und reagieren.

Ich habe mir eine Art Kampfzettel erstellt mit den festen Programmpunkten der Hochzeiten und daneben mit Notizen was ich Fotografieren will und was die Kamera Voreinstellung sein sollte (am Ende kommt sowieso alles anders an der Kamera).

Somit komme ich zum nächst wichtigen Punkt, welcher nichts mit der Hochzeit an sich zu tun hat. Das Equipment!

Es ist unheimlich wichtig sein Equipment zu beherrschen, sowohl den schnellen Objektivwechsel als auch die Parameter-Einstellungen an der Kamera. Die Situationen von Bewegung und Licht wechsel oftmals so schnell, dass man sich vorher im klaren sein sollte was man wo und wie einstellt. Welche Einstellung man nun konkret wählt hängt vom eigenen Stil und Arbeitsweise in gewisser weise ab.

Ein weiterer Punkt ist sich selbst zu vertrauen.

Ich hatte selbst erst Zweifel, in wie weit ich einer solchen Aufgabe gewachsen bin . Dank viel Lektüre und einiger Übungstage in ähnlichen Räumlichkeiten, habe ich mir Selbstvertrauen gegeben und konnte auch die eigene Aufregung vor der “ersten” Hochzeit nehmen. Geholfen hat es mir sehr, die Aufgabe als meinen Job zu sehen und das zu machen was ich am Besten kann. Somit war ich nicht als Gast vor Ort sondern als reiner Fotograf – von der Zeremonie an sich habe ich nur sehr wenig mitbekommen um auf die besonderen Momente lauern zu können oder Eindrücke aus den Zuschauerreihen einzufangen.

Mein letzter Punkt. Der mir persönlich für meine Fotografie am wichtigsten war, ist einen eigenen Stil zu verfolgen welcher auch dem Brautpaar zusagt.

Ich wollte nie die “typischen” Hochzeitsbilder des Haus- und Hoffotografen aus dem Dorf schießen. Ich wollte in die Richtung der Reportage gehen und mich in gewisser Weise selbst verwirklichen mit meiner Art zu fotografieren. Man muss sich im vornherein im klaren sein was man für Bilder haben möchte. Einfach trockene Bilder, die die Feierlichkeit aus der Ferne dokumentieren oder extrem nah am geschehen sind und dadurch unter Umständen zu “gestellten” Bilder führen. Oder doch eher der Reportage Stil mit einigen Details – welchen ich selbst verfolgt habe. Steht der Stil fest, ist es wichtig vorher Bilder im Kopf zu haben und sich einen Plan im Kopf aufzustellen wie man diese Bilder erreicht. Ich hab versucht immer beim Brautpaar zu sein, aber durchgehend mit dem nötigen Abstand um der Authentizität der Bilder nicht zu schaden.

Das wichtigste ist aber immer noch in meinen Augen es muss einem 100% klar sein worauf ich mich hier einlasse. Denn ein Rückzieher vor Ort oder kurz vorher ist ein klares “no go” genauso wie die Aufnahmen zu vermasseln – gleichzeitig sollte man sich aber auch während einer Hochzeit nicht unterkriegen lassen – Fehler können passieren, dürfen aber nur einmal passieren und dürfen nicht fatal sein.

Ich hoffe ich konnte ein wenig zeigen wie ich mich auf dieses Fotografische Gebiet eingelassen habe und kann den einen oder anderen bei seiner Entscheidung in Zukunft mit meinen Worten helfen. Ein kleiner Einblick in meine Arbeit findet ihr auf meinem Blog.

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8 Comments to “Hochzeitsfotografie – die erste Chance! Ja oder Nein?”

  1. Hallo Bernd,
    danke für dein Kommentar.
    Zum einen habe ich mir vorher 3 Einstellungen gespeichert bei denen ich der Meinung war, dass diese für Outdoor, Kirche oder Gaststätte passen. Allerdings hatte ich immer die Spotmessung an um durchgehend die Belichtung besser im Griff zu haben. Von Matrix oder Mittenbetont würde ich persönlich abraten, denn gerade in Kirchen oder Outdoor können helle benachbarte Flächen die Belichtung völlig verhauen.
    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.
    Viele Grüße
    Markus

  2. Steven sagt:

    Danke für den informativen Beitrag. Für mich umso mehr interessant, da ich vor der selben Entscheidung stehe und ebenfalls unerfahren bin, was Hochzeitsfotografie anbelangt.

    Genau wie du sehe ich die Chance, etwas dazu zu lernen. Wenns am Ende so gut rauskommt wie bei dir, wäre ich sehr zufrieden ;)

  3. Bernd sagt:

    Hallo Markus,
    mit Interesse habe ich deinen Bericht gelesen. Ich habe die Hochzeitsfotografen bisher immer ein wenig belächelt weil dieser Job nicht wirklich hoch in der Gunst von Fotografen steht. Das ist das was man normalerweise so hört oder auch lesen kann. Inzwischen sehe ich das anders und es ist doch so manches mal wohl eher ein recht stressiger Job.

    Mich würde interessieren wie man die unterschiedlichen Belichtungssituaionen am Besten in den Griff bekommen kann. Spotmessung oder eher eine Standart Matrix Messung. Wie sind deine Erfahrungen die du gesammelt hast?

    Gruss
    Bernd

  4. Hi Timo,

    Danke für den Tipp. Hatte in der Tat einen 2. Ersatzbody in der Tasche gehabt, für den Fall der Fälle. Allerdings war dies ein “schlechter” Vorgänger meiner jetzigen Kamera, somit habe ich mich auf mein besseres Model beschränkt.
    Aber in der Tat, im Regefall fällt dann die Kamera aus wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Hatte diesen Fall schonmal auf einen Konzert – natürlich ohne Ersatzbody :-)
    Danke für dein Feedback, freut mich wenn ich beim ersten mal nicht nur “Bilder” produziert habe.
    lg
    Markus

  5. Hey Markus,
    ich bin selbst seit mehreren Jahren als Hochzeitsfotograf tätig und finde Deine Fotos für die erste Hochzeit durchaus sehr gelungen. Ein kleiner Tipp noch von mir für die nächste Hochzeit: Pack wichtige Dinge wie Blitz, Akkus, Speicherkarten doppelt ein aber vor allem eine zweite Kamera (wenn Du es nicht sowieso getan hast… im Artikel stand jedoch nichts davon), so spart man sich häufig den Objektivwechsel und ist auf der sicheren Seite denn eine Kamera streikt immer im falschen Augenblick und das sollte nicht während der Trauung sein ;)
    Gruß
    Timo

  6. Ivan sagt:

    Ähnliche Erfahrungen habe ich auch letztes Jahr bei meiner ersten Hochzeit die ich fotografieren durfte machen können. Neben dem Equipment, dass man nicht nur im Schlaf beherrschen und sich blind darauf verlassen muss (Thema Qualität und Marke), finde ich den Punkt mit dem sich selbst vertrauen den wichtigsten von allen. Für mich persönlich ist eine Hochzeit zu fotografieren ein absolutes Vorrecht.

    Danke auch für das zeigen der Bilder in deinem Fotoblog. Bild #8, 11 und 12 sind meine absoluten Favoriten. Die haben “Leben” in sich. Echt klasse!

  7. Hi Carsten, derzeit nur dir unter meinem Fotoblog. Aber ich denke ich werde nochmal ein paar via Flickr oder meinem Blog nachschieben ;-)

  8. Carsten sagt:

    Hi Markus, gibt irgendwann noch mehr Bilder zu sehen? Bin neugierig. :)

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