Vor kurzem waren wir auf dem Nürnberger Bardentreffen unterwegs – ein kostenloses Musikfestival – und trafen dort auf verschiedenste Fotografen bei der Jagd auf lohnende Konzertmotive. Hierbei sah man sowohl einfache Amateurfotografen als auch Berufsfotografen die für die verschiedensten Agenturen arbeiteten. Der eine versuchte die Lichtstimmung durch seinen Blitz “einzufangen”, der andere wiederum durch Lichtstarke Objektive oder aber auch durch lange und kreative Belichtungszeiten.
Was am meisten auffällt ist das unterschiedliche Verhalten der Fotografen am Auslöser. So mancher Berufsfotograf muss nach einem Konzert mit schätzungsweise 1000-3000 (in Worten Eintausend bis Dreitausend) Bildern nach Hause kommen. Obwohl sich auch hier die Berufsfotografen unterscheiden. Auffällig sind die Herren der lokalen Presse bzw. der Presse-Agenturen: Diese besitzen die großen Kameras und nutzen die Leistungsstarken Serienbildmoduse aus und liefern ihrer Redaktion an einem Abend ein paar tausend Bilder ab. Der Vorteil hierbei ist, er kann sich relativ sicher sein ein paar gute Treffer dabei zu haben – zu mindestens ausreichend für das Print- oder Onlinemedium.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Berufsfotografen die speziell für Musikverlage fotografieren. Hier merkt man sofort das gezielt und überlegt abgedrückt wird. Hier komme ich nun auch auf mein eigentliches Thema. Lieber Masse statt Klasse oder wie man auch oft sagt Quantität vor Qualität?!?
Ich selbst stehe hinter dem Motto Qualität statt Quantität, allerdings bestätigen auch bei mir Ausnahmen die Regel.
Fairerweise muss man aber sagen, am Verhalten hinter der Kamera kann man nicht immer erkennen wer Berufsfotograf ist, oder “nur” seinem Hobby frönt. Das Equipment mancher Amateurfotografen muss sich hinter den Profifotografen oftmals nicht verstecken.
Doch zunächst zu den “Vielknipsern”: Was bringt es eigentlich seinen Auslöser weniger zu malträtieren und somit zu riskieren den Schuss des Tages zu verpassen ?
Prinzipiell bringt es gar nichts. Man verlässt sich auf den Glücksschuss und hofft das die Technik nicht versagt, nach ein paar Tausend Schuss am Tag. Das böse Erwachen kommt aber erst beim Sichten der Bilder, wer möchte sich schon zwischen 1000 Bildern seine 3-5 selektieren. Besonders der Entscheidungsprozess bei solch einer Selektion fällt nicht einfach wenn von jeder Situation mal eben 20 ähnliche Bilder existieren.
Warum sollte man also lieber auf Klasse schießen statt auf Masse? Das erste Argument habe ich oben schon angebracht, ich bringe einfach weniger Bilder nach Hause die von mir selektiert werden müssen. Aber auch das genaue Setzen des Ausschnittes um ggf. stimmungsvolles Bühnenlicht mit in die Bildkomposition aufzunehmen ist durch das “langsame” fotografieren überlegter und konzentrierter. Auch lassen sich Fehler in der Belichtung viel früher und schneller erkennen wenn man mit Konzentration und Ruhe an sein Motiv geht.
Jetzt wird mit Sicherheit der eine oder andere sagen: “…aber nun laufe ich doch Gefahr die Szene des Abends zu verpassen !”. Dies ist in der Tat möglich. Wie ich aber oben schon erwähnt habe ist man konzentriert und kann das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Eine gute Rampensau hat auch typische Stellen in seiner Performance bei denen der Musikkünstler z.b. springt oder mal das Publikum singen lässt. Diese Situationen lassen sich nach kurzer Zeit erahnen und dementsprechend kann man sich darauf einstellen. Es gibt hin und wieder auch Künstler die extra für die Fotografen im Bühnengraben eine kleine “Pose” einlegen, hier muss man dann eben im richtigen Augenblick zur Stelle sein.
Ich sagte eben “Geschehen verfolgen”, hier möchte ich kurz darauf eingehen: Man sollte diese Floskel durchaus mal wörtlich nehmen, man kann viele Situationen im richtigen Moment auf den Speicher bannen wenn man sein Ziel, in diesem Fall der Musikkünstler, durch den Sucher verfolgt. Immer mit dem Finger auf dem Auslöser bereit, idealerweise mit einem Autofokus der sein Ziel verfolgen kann, so kann man eine Gestik, einen Ausdruck recht sicher einfangen und muss nicht erst die Kamera hoch reißen wenn sich eine gute Situation fürs Bild ereignet.
Das beherrschen des eigenen Fotoequipments sind Grundvoraussetzung für gelungene Konzertfotos, da es jederzeit zu einmaligen Situationen kommen kann in deren man seine Kamera innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde auf das Motiv ausrichten muss, selbst wenn man sein Ziel ständig mit Blick durch den Sucher verfolgt. Lichtsituationen die sich sekündlich ändern können, müssen bei Bedarf im Setup angepasst werden.
Nun muss ich aber auch selbst zugeben das es Momente gibt wo ich doch auf Masse setze. Dies geschieht dann, wenn ich z.B. keine Künstlerische Bewegungsfreiheit habe bzw. ein Konzert hoffnungslos Überfüllt ist und kein Bewegen möglich ist. Dazu kommt noch, wenn die Bühne kein perfektes Licht bietet und somit der Autofokus hin und wieder versagt. Dann ist man froh wenn zwischen 20 gleichen Bildern 1 scharfes und ohne “Fremdkörper” im Bild entstanden ist.
Wie nun jeder einzelne damit umgeht, soll einem selbst überlassen sein. Man muss für sich entscheiden ob man lieber 1000 Bilder selektieren will oder überlegt und konzentriert an ein Motiv geht und sich dann nur zwischen 2 perfekten Bildern entscheiden muss. Ich persönlich versuche so oft wie möglich in Richtung Klasse statt Masse zu gehen, da ich es nicht leiden kann eine Vielzahl an Bildern zu sortieren. Aber wie oben schon beschrieben setze ich in wenigen Situationen auch mal auf Masse. Wie seht ihr das bzw. fotografiert Ihr auf Masse in der Hoffnung “das Bild” wird in der Serie dabei sein, oder versucht Ihr ganz gezielt das Bild auch in schwierigen Situationen zu komponieren und im richtigen Moment auszulösen ?
Tags: Fotografie, Konzertfotografie, Musik, Theorie

