Heute möchte ich eines meiner persönlichen Projekte vorstellen, welches mich schon einige Zeit begleitet und auch in Zukunft von mir weiter gefüttert wird.

Ziel in diesem Projekt ist das vorgegebene Fotografieren mit einer Festbrennweite. In meinem Fall handelt es sich konkret um das Canon EF 85 1.8, angeflanscht an meine Canon 5D MK II, eine spannende Kombi wie ich immer wieder feststelle.

Wer eine crop-Kamera sein Eigen nennt, wird eine ähnliche Bildwirkung mit einer 50mm Festbrennweite erzielen.

Warum aber schränke ich mich freiwillig so sehr ein, verzichte auf diesen Projekt-Fototrips auf bequeme komfortable Zoom-Objektive ?

Immer wieder hatte ich in einschlägigen Fotoforen und zahlreichen Artikeln davon gelesen, dass man mit Festbrennweiten die besseren Bilder macht. Besser nicht nur in der Hinsicht dass man Lichtstärkere Objektive im Einsatz hat, die besonders in der Available Light Fotografie bei schlechten Lichtbedingungen von Vorteil sind.

Vielmehr wurde immer wieder betont, man gewinnt durch den Einsatz der Festbrennweite ein geschulteres Auge für das Motiv. Da Bildgestaltung und deren Komposition für mich schon immer ein wichtiger Aspekt in der Fotografie darstellte, wurde ich natürlich sehr neugierig darauf, wie sehr sich der Umgang mit einer Festbrennweite im Ergebnis der Bilder wiederspiegelt.

Und tatsächlich, nach anfänglichen Schwierigkeiten stellte ich fest, dass ich mir über das gewählte Motiv viel mehr Gedanken machte, als noch beim Einsatz eines Zoom-Objektivs. Vorher schraubte ich  noch wie wild am Zoom, in der Hoffnung einen passenden Bildausschnitt zu finden, man ist oft nicht sicher, soll man jetzt lieber etwas weitwinkliger ans Werk gehen, oder doch volle Möhre bzw. Brennweite draufhalten. Entsprechend unschlüssig sahen am Ende viele meiner Bilder aus.

Mit der 85mm Festbrennweite gehe ich allerdings völlig losgelöst von diesem Brennweiten Hin-und Her an das Motiv. Ich habe ja schließlich nur diese eine Brennweite zur Verfügung. Also kann ich von Anfang an überlegen wie ich mein Motiv und die 85mm nun am sinnvollsten in Einklang bekomme.

Einen Nachteil hat diese Einschränkung natürlich:

Möchte ich z.b. das großflächige Deckengewölbe einer Kathredrale einfangen, oder den Innenraum eines gesamten Fussballstadions, so bietet ein Ultraweitwinkel den hier entscheidenden Vorteil.

Aber ganz ausgeschieden ist man dann doch nicht, man kann vielleicht  nicht das gesamte Deckengewölbe einfangen, dafür finden sich in der Regel aber eine Menge Details, die sich dank offener Blende sehr gut freistellen lassen und nicht minder spannend in der Bildwirkung sein müssen.

Ich gebe zu, der Umgang mit der Festbrennweite ist oft nicht ganz einfach, ständig ist man auf der Suche nach einem Motiv dass zum Bildausschnitt der 85mm passen könnte, aber genau diese Suche, die Auseinandersetzung mit dem Bildmotiv verhilft am Ende doch zu den interessanteren Bildern.

Nebenbei erlebe ich bei meinen 85mm Foto-Touren den angenehmen Effekt, sehr wenig an Gepäck mit mir herumschleppen zu müssen. Oft packe ich mir nur die Tasche, darin die Kamera und das kleine kompakte 85mm Objektiv.

Ich kann nur empfehlen mal bewusst mit einer festgelegten Brennweite auf Tour zu gehen. Wer nur ein Zoomobjektiv besitzt kann z.b. mit etwas Klebeband das Objektiv an der gewünschten Brennweite fixieren, hauptsache man ist gehindert daran, den Zoomring zu drehen :)

Natürlich habe ich weiterhin auch Zoomobjektive im Einsatz, aber hin und wieder macht es tierisch Spaß mit ganz kleinem Fotogepäck auf Tour zu gehen. Probiert es doch am besten mal aus.

Die aktuellen Bilder meines 85mm Projekts habe ich hier in der Galerie zusammengestellt.

85mm

41 Fotos

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7 Comments to “Projekt “85mm””

  1. Flkz sagt:

    Hi,

    bin heute zum Ersten mal auf dein Blog gestoßen (Aufgrund des Kommentars auf Kwerfeldein zum Beitrag “Von alten Zahnbürsten & Regentropfen”).

    Muss sagen, die Bilder gefallen mir alle sehr sehr gut. Wenn ich mal wieder etwas mehr Zeit habe, muss ich das unbedingt auch ausprobieren!

    Klasse Arbeit!

    Grüße, Felix

  2. Michael sagt:

    Ich kann da nur zustimmen, eine FB 50mm oder 85mm macht richtig Spaß. Jedoch sind viele Forografen gerade am Anfang sehr unsicher was den Umgang mit den Objektiv angeht. Aus diesem Grund muss man sich eine gewisse Eingewöhnugszeit erlauben, um dann mit den Möglichkeiten richtig spielen zu können. Mir macht es richtig Spaß mit dem Schärfebereich zu spielen, auch wenn man etwas mehr Einsatz bei der richtigen Postitionierung und Auswahl des Bildausschnittes zeigen muss. Nicht vergessen sollte man auch, dass die FB in der Regel eine höher Abbildungsqualität haben, als Zomms, alleine durch die Konstruktion und die Ausrichtung auf eine Brennweite.

  3. Silke sagt:

    Hallo!

    Sehr schöne Bilder! Ich liebe diese knappen Schärfeebenen!

    Interessant zu sehen, dass viele andere auch ein persönliches “Projekt” aus der Festbrennweite gemacht haben. Ich hatte mir spontan das 50mm 1,8 II von Canon geholt und war nach kurzer Zeit hin und weg von dem Teil.
    Ich habe mir auch überlegt ein Projekt draus zu machen, aber ich habe es nicht auf 50 Tage begrenzt, sondern auf ein Jahr. Außerdem habe ich mir keine Regeln gesetzt. Ich sammle einfach die Bilder die im Lauf eines Jahres mit dem 50er entstanden sind und sortiere sie auf der Website nach den vier Jahreszeiten.
    Bin gespannt, was sich so ergibt!

  4. Olli sagt:

    Deine Auswahl an Bilder sind allesamt wirklich sehenswert. Durchgehend sieht man deine herangehensweise, die Wahl eines aussagekräftigen Bildausschnittes und wie du mit bedacht den Schärfepunkt gesetzt hast.

    Ähnlich wie du, genieße ich es ebenfalls, nur mit meinem 50mm (an Crop) bestückt auf Erkundungsreise zu gehen. Allerdings gehe ich nicht soweit wie du, ich habe immer noch mein Ultraweitwinkel und mein Makro im Gepäck – das gibt mir nochmal ein Gefühl an Sicherheit. :)

  5. Bjoern Gundermann sagt:

    @Stefan:
    Plugins nutze ich keine. Meine s/w Umsetzungen erstelle ich sehr intuitiv, mal in LR, mal in PS oder beides zusammen. Hauptsächlich arbeite ich aber mit Gradationskurven und Dodge/Burne um die Kontraste herauszukitzeln.

    @Thomas:
    Das 50/50 Projekt habe ich auch bei Bert Stephani verfolgt, Respekt dass Du hier durchgehalten hast. Wollte sowas in der Richtung auch schon machen aber 85 Tage mit 85mm wäre dann doch etwas erdrückend :)

  6. Thomas sagt:

    Schöner Bericht und klasse Fotos ! Ja für die 85mm Festbrennweite hab ich auch schon einen Platz reserviert, das kommt mir auch noch ins Haus ;)

    Hab bisher nur die 50mm/1.8 Festbrennweite an einer CANON EOS 550D, aber macht schon echt Laune damit zu fotografieren. Letztes Jahr machte ich mich an das Projekt 50/50 (50 Tage mit 50mm). Wow, das war ein Erlebnis…danach hab ichs erstmal ne Weile gehasst, aber nun liebe ich mein 50mm ;) Und ich denke es stimmt, wenn man sagt, das man mit ner Festbrennweite ein geschulteres Auge für das richtige Motiv bekommt, da man sich mehr bewegen muss und dadurch automatisch neue Perspektiven sieht.

    Danke für den Artikel & Internette Grüße
    Thomas

  7. stefan sagt:

    Sehr schöne Aufnahmen sind bei Deinem 85er-Projekt herausgekommen! Mich würde interessieren, wie Du die Schwarzweißumsetzungen machst – in LR, in PS, mit Plugins oder ohne?

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