Ruhig ist es geworden auf PHOTOWORKERS.org, Markus und ich hatten beide in den letzten Monaten berufliche Umstiege und obendrein auch beide jeweils einen Wohnungsumzug zu stemmen.
Daher möchte ich heute mal wieder die Serie erweitern und Euch ein Bild vom Gedankengang bis zur fertigen Umsetzung näher bringen.
Konzertfotografie ist ein fotografisches Genre dass ich immer wieder sehr gerne verfolge. Dieses Jahr auf dem New-Orleans Festival in Fürth entstand dieses Portrait eines Bandmitglieds der Gruppe Bobbin’B.
Gitarristen zu fotografieren empfinde ich persönlich mittlerweile recht schwierig. Irgendwie häufen sich auf dem heimischen PC die Fotos von Gitarre zupfenden Musikakteuren. Und auf Dauer ähneln sich genau diese Bilder, ein Mann mit Stromgitarre in der Hand, die Lippen vor dem Mikro bewegend, das wars auch meist.
Meine Herausforderung besteht dann darin, doch irgendwie den Charakter des Musikers einzufangen, durch eine glückliche Sekunde im richtigen Moment ein etwas “anderes” Musikerportrait zu erhaschen.
Das Glück hatte ich in dieser Aufnahme, der Gitarrist hat diese kleine freche Geste mit zwinkernden Augen direkt zu mir in die Kamera geworfen. Zu mir ? Ausgerechnet zu mir kleinem Hobbyfotografen inmitten vieler weiterer Zuschauer ? Purer Zufall oder doch etwas mehr dahinter ?
Vorab, Glück, ein schnelles Händchen und die Beherrschung der nötigsten Kamerafunktionen gehören immer als Paket zur Konzertfotografie zusammen. Vor einiger Zeit hatte ich in diesem Artikel auch über die technischen Hintergründe der Konzertfotografie geschrieben.
Ich verfolge das Treiben auf der Bühne oftmals nicht nur mit bloßem Auge, sondern geduldig minutenlang mit Blick durch den Sucher. Der Autofokus läuft durch die Servo-Funktion ständig mit, so verfolge ich also immer Schußbereit die Bewegungen, Gesten, Posen der Bühnenkünstler.Ich gebe zu, für einen Außenstehenden muss das schon belustigend aussehen wenn man mit der Kamera permanent den Bewegungsabläufen der Musiker folgt, nur um auf keinen Fall genau diese eine wichtige Sekunde zu verpassen, im Bildbeispiel eben das Augenzwinkern des Gitarristen Richtung Kamera.
Irgendwann bekommt dies dann auch mal der betreffende Musikkünstler mit, wenn er dann auch noch freundlich den Fotografen gesonnen ist, gibts als Lohn auch mal ne kleine Poseneinlage oder Blickkontakt mit Geste direkt in die Kamera. Hat die Technik in dieser Sekunde des Auslösens funktioniert, sitzt der Fokus halbwegs, stimmt die Belichtung, dann ist die Freude beim Betrachten vorort auf dem Kameradisplay schon mal recht groß.
Einen Nachteil hat diese Herangehensweise aber dennoch: Bedingt dadurch dass man mit Blick durch den Sucher nur einen kleinen Teil der Bühnenaktivitäten verfolgen kann, kann es auch passieren dass man eine andere Szene schlicht verpasst, plötzlich blödelt ein anderes Bandmitglied herum, oder schmeißt sein Instrument akrobatisch umsich, man sieht es nicht wenn man eine bestimmte Person gerade im Visir hat. Daher wechsle ich nach einigen Minuten dann auch gerne das Motiv und verfolge ein anderes Bandmitglied.
Ich habe mich bei der Bearbeitung dieses Fotos ganz bewusst für s/w entschieden. Konzertbilder in Farbe unterstreichen sehr deutlich die Bühnenatmosphäre, erzeugen also entsprechend Stimmung. Da mir in diesem Fall aber der Charakter des Gitarristen wichtiger erschien, entschied ich mich für das weglassen von Farbe und erarbeitete eine kontrastreiche s/w Umsetzung. Um noch mehr Leben in dieses Foto zu bringen, habe ich sehr bewusst das bereits vorhandene Bildrauschen durch noch stärkere Körnung ergänzt. Ich mag diesen leicht analog anmutenden Look immer wieder gerne.
Zum Abschluss dieses Artikels noch das Out of Cam Bild um einen direkten Vergleich zum fertig entwickelten Bild zu haben.
Tags: Bildbesprechung, Bobbin'B, Bühne, Event, Konzertfotografie, Liveact, monochrom, Musiker, Portrait, s/w

