Das Bild von Ralf Pachurka möchte ich gerne in einem weiteren Teil der Bildbesprechungs-Reihe rezensieren.
Ralf selbst ist ebenfalls seit einigen Jahren in der Digitalfotografie aktiv, zeichnet sich zunehmend durch seinen eigenen persönlichen Stil aus den er fortlaufend weiter entwickelt. Auch sein fotografisches Auge für Szenen und Motive ist immer wieder beeindruckend. Das Bild welches ich hier gerne besprechen möchte ist bei seinem letzten Wien Aufenthalt entstanden. Eines der wenigen die er mitbringen konnte, da er vorort fast nur Regen hatte. Aber eine kurze Regenpause brachte unter anderem diese Street-Aufnahme zum Vorschein.
Mit Wien verbinde ich persönlich die Kontraste zwischen alt und neu. Auf den Straßen sind die neuesten Sportwägen zu sehen, aber dafür in den Gassen des Wiener Zentrums ehrwürdige Altbauten mit ihren Einwohnern, die den Charme von Wien und den Historischen Orten widerspiegeln.
Das Bild ist mit einer Canon 5D MkII und einem Canon EF 85mm/F1,2 entstanden, welches mit eines der interessantesten Objektive aus dem Canon Park sein dürfte, dank der starken Offenblende.
Die Fotografie zeigt einen Herrn, inmitten der Wiener Innenstadt, beim täglichen Spaziergang um seine Zeitung zu holen oder zu lesen. Das besondere an dem Bild ist die Wirkung zwischen dem Herrn und dem Stadtleben im Hintergrund. Die Offenblende stellt das Hauptmotiv so frei das dieses sich eindeutig vom Rest abhebt, aber auch nicht ausschließt und weiterhin zum Stadtleben dazu gehört. Das Leben in der Unschärfe zeigt andere Menschen, Lichter und Reklametafeln, die das typische Innenstadtbild widerspiegeln. Es zeichnet sich, wie in einem Streetbild gewünscht, das alltägliche Leben ab, mit einer besonderen Szene.
Was ist aber nun so besonders an dieser Szene ?
Menschen sieht man jeden Tag im Trubel und die Reklametafeln im Hintergrund auch. Das außergewöhnliche oder das was das Bild ausmacht, ist der Herr mit seinem Hut, dem Sakko und seinen weißen Schuhen. Die Zeitung in der Hand, zusammen mit der Körperhaltung, spiegeln den alltäglichen Spaziergang wieder, den dieser Herr wohl regelmäßig macht, sei es um die tägliche Lektüre zu kaufen oder nur die routinierte Runde um den Block. Die Kombination aus schick angezogen und dem entspannten Gang durch die Stadt, bauen die Spannung im Bild auf, was den Betrachter festhält und verweilen lässt. Aber auch der richtige Zeitpunkt des Auslösers ist hier, meiner Meinung nach, entscheidend. Das der linke Fuß vollständig in der Luft ist bzw. zum nächsten Schritt ausholt baut die Dynamik im Bild auf und zeigt das der Herr in Bewegung ist. Das ganze lässt aus einer Alltagssituation ein einmaliges Bild entstehen.
Ralf hat durch die zusätzliche digitale Vignettierung dazu beigetragen das der Betrachter noch stärker auf das Hauptmotiv konzentriert wird. Die Gefahr bei vielen Streetbildern, besonders in Farbe, sind ablenkende Reklametafeln oder ähnliches im Hintergrund. Aber hier passt alles, die Werbung lenkt nicht ab, sondern versetzt die Hauptfigur in die richtige Straßenszene, damit der Betrachter diese nachempfinden kann. Über die Stärke der Vignettierung lässt sich mit Sicherheit reden, für meinen Geschmack darf es hier auch etwas weniger sein. Dies macht aber doch die persönliche Note des Fotografen aus.
In meinen Augen ein gelungenes Streetbild mit dem eigenen Touch des Fotografen. Besonders die Kombination aus hellen leuchtenden Straßenbild im Hintergrund
Tags: Bildbesprechung, Festbrennweite, Fotografie, Street, Streetfotografie, Wien


Ein sehr interessantes Bild – Urban Lifestyle pur! Ein Mann mit Charakter, das spiegelt schon sein Outfit wieder. Die Schuhe und der Hut passen einfach klasse zum gesamten Style. Dadurch das das Bild von hinten aufgenommen wurde, regt es die Phantasie des Betrachters an – wo kommt er her, wo geht er hin, wer ist er? Die Bewegung ist sehr schön eingefangen, auch die Farben passen sehr gut. Nur leider hat der Fotograf es etwas mit der Vignettierung übertrieben, aber wir sind ja alle nicht perfekt
Gruß
Alex.
Ein eher schwieriges Bild, was nicht heißen mag, dass es nicht interessant ist oder gar schlecht. Nein, das ist es sicher nicht.
Während einer ersten langen Betrachtungsphase konnte ich nicht umhin, mir die Geschichte dazu durchzulesen. Aha, dachte ich, dann will ich diese mal mit meinen gemachten optischen Eindrücken in Einklang bringen. Und siehe da, schon stellt sich eine gewisse Form von Schlüssigkeit ein.
Die starke Vignettierung ist mir auch zu heftig, sie nimmt der Szene meines Erachtens zu viel weg. Nur der Typ selbst erschließt sich einfach einem neuen Betrachter nicht.
Natürlich ist der Mann super freigestellt, jedoch hätte etwas weniger offene Blende bestimmt besser dazu geholfen, mehr Details zu zeigen, die der Betrachter braucht, um sich “ein Bild” zu machen.
Abschließend kann ich sagen, nachdem ich das Foto nun schon einige Tage immer wieder mal betrachte, dass es ist, wie ein guter Wein. Der muss auch im Laufe der Zeit reifen und wird dann immer besser.
Gruß Claus