Bjoern Gundermann am 07. Februar 2011

Heute möchte ich eine neue Rubrik auf photoworkers.org beginnen. In der Serie “Von der Idee zum Bild” möchte ich Bilder näher erläutern, oftmals fragt man sich beim Betrachten eines Bildes, was hat sich der Fotograf bei diesem Foto nur gedacht, oder warum hat der Fotograf das Bild genau in dieser Art und Weise gestaltet ?

Den Start macht ein Architekturfoto das in Langzeitbelichtung am hellichten Tage entstanden ist.

An diesem Tag war der Himmel sehr stark bewölkt, viel Wind brachte richtig Bewegung in die vorbeiziehenden Wolkenformationen. Für mich Grund genug, diese Wolkenbewegungen zum Thema zu machen.

Nun hatte ich einen dramatisch eindrucksvollen Wolkenhimmel, mir fehlte aber das passende Motiv, ein Motiv das stark genug wirkt um sich von den Wolkenschlieren nicht verschlucken zu lassen.  Meine Wahl fiel sehr schnell auf die alte Streintribüne auf dem ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Ein Bau mit historischer Bedeutung, dieser sollte stark genug sein für eine ansprechende aussagekräftige Bildwirkung.

Angesetzt an meine 5D MKII hatte ich das Canon 17-40, denn eine solch große Kulisse schreit nach viel Weitwinkel. Die bodennahe Perspektive sollte die Bedeutung des ehemals imposanten Bauwerks nochmal verstärken.

Das Motiv war also schonmal im richtigen Blickwinkel, nun musste ich mich um die dramtisch wirkende Wolkenformation kümmern. Hier nahm ich meinen 1000x Graufilter zur Hilfe. Über diesen hatte ich hier schon einmal näher berichtet. Der Graufilter verlängerte die Belichtungszeit auf satte 45 Sekunden bei Blende 11 /ISO100. In 45 Sekunden zogen die Wolken ein großes Stück am Himmel vorrüber und erzeugten durch die Bewegung die von mir gewünschten Wolkenschlieren.

Der Rest erfolgte dann am PC, eine Umsetzung in s/w, diverse Kontrastanpassungen sollten das Foto dann in seine endgültige Form bringen. Ich liebe deutliche Strukturen, so habe ich mich auch hier darauf konzentriert die alten Stufen der Tribüne wie auch die einzelnen Mauersteine plastisch hervorzuheben. Hier gibt es unter Photoshop ein ideales Werkzeug “abwedeln/nachbelichten”, um derartige Strukturen herauszuarbeiten.

Eine dezente Farbtönung sowie Vignettierung sollte das Foto noch abrunden.  Gerne hätte ich jetzt noch ein Making Of Foto zur Entstehung dieses Bildes angehängt, aber dies hatte ich vorort doch glatt vergessen einzuholen. In den zukünftigen “Von der Idee zum Bild” Folgen, werde ich dies aber dann fest integrieren :)

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Markus Lochner am 22. Dezember 2010

“express train” von Jack-Bloom ist mir bei einem Ausflug durch die Flickr Welt zwischen die Finger gekommen. Jack-Bloom fotografiert seit Weihnachten vor 3 Jahren intensiv mit seiner DSLR: derzeit nennt er eine Olympus E-510 sein Eigen. Vertieft arbeitet er in der Motivwahl der Landschaft, des Urbanen sowie der Fotografien à la Strobist.

Das Bild, welches ich aus seinem Repertoire besprechen möchte, ist in Berlin am Bahnhof Potsdamer Platz entstanden. Zusammen mit einem Stativ, dem ZUIKO DIGITALED 12-60mm 1:2,8 – 4,0 SWD bei einer Blende von F4,5, einer ISO von 100 sowie bei 60mm mit einer 1/2 Sekunde. Auf dem Bild ist ein unterirdischer Bahnsteig mit einer Bahnsteigkante zu sehen, dazu die passende Warteeinrichtung, sowie ein durchfahrender InterCityExpress der Deutschen Bahn.

Was mich an dem Bild gereizt hat, ist das Extreme zwischen den starren Motiven sowie dem Dynamischen Schnellzug. Obwohl das Bild sehr viel Action enthält, hat es dennoch ganz klare Linien. Die Hauptlinien sind alle horizontal und zum Bahnsteig ausgerichtet. Nur wenige Senkrechte Linien im Hintergrund kann der Betrachter aktiv wahrnehmen. Trotz dieser klaren Linienführung hat das Bild unheimlich viel Dynamik. Man meint der Zug rast nur so durch den Bahnhof.

Die “warme” Bank, die einen eigene Lichtspot hat, welche den Betrachter sehr gut im Bild hält, strahlt sehr viel Ruhe und Gelassenheit aus. Die Farbgebung des Holzes mit dem neutralen Licht laden fast zum verweilen und freiwilligen warten ein. Der Zug im Hintergrund reist den Betrachter hingegen schon fast mit sich, obwohl im hierfür eine Struktur oder Kennzeichnung fehlt, in welche Richtung dieser fährt. Aber gerade da er dieses nicht hat, bleibt der Betrachter mit im Bild und lässt sich auf die Bank ein.

Ich finde das hier dieser “express train”, trotz seiner hohen Geschwindigkeit, Ruhe ins Bild bringt und einen nicht mitreist. Aber dennoch zeigt, dass eine Bahnhofswelt oder eine Reisewelt immer in Bewegung ist. Welche man aber an einem gemütlichen und ruhigen Ort umgehen kann.

Besonders gut gefällt mir die perfekte Ausrichtung der Kamera. Die Bank schließt oben sehr bündig mit der Roten Markierung ab, als auch unten ganz gut mit dem schwarzen Strich. Auch die “Kreuze” hinter den Fensterscheiben scheinen perfekt aus gemittelt. Das Bild lebt also nicht nur von seiner Ruhe in der Kombination mit Dynamik, sondern auch in der Symmetrie und seinen klaren Strukturen.Die Lichtreflexe lösen die Symmetrie ein wenig und geben dem Bild Spannung und lassen den Betrachter das ganze Bild anschauen und nicht nur einen kleinen Teil davon.

Als kleine und lustige Auflockerung des Bildes sehe ich das Notausgangsschild. Zum einen finde ich, dass es die Geschwindigkeit/Dynamik des Zuges unterstützt zum anderen aber auch zu anderen Interpretationen verhelfen kann, z.B. flüchtender Zug.

Ein Bild was für viele Menschen eine Alltagssituation darstellt, wie für mich auch. Ich stehe jeden Tag mehrmals an einem Bahnhof. Ich achte dabei aber nur sehr selten auf Motive. Mich inspiriert dieses Bild sehr. Im direkten Lebensumfeld nach Motiven zu suchen, nach dem Alltäglichen eben. In meinen Augen ist das Bild durch und durch gelungen. Es lebt voll und ganz und strahlt einen eigenen Flair des Bahnhofsleben aus. Zuletzt erinnert mich aber der leichte Spot in der Mitte immer ein bisschen an die Mr.Bean Intros.

Immer wieder spannend was aus so einer normalen Situation fotografisch herauszuholen ist. Weitere Bild von Jack-Bloom könnt ihr in seinem Flickr-Account sehen.

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Markus Lochner am 10. Dezember 2010

Während der Suche nach neuem kreativen Input für mich, bin ich durch Zufall auf den Flickr Account von Matthias Hundt aufmerksam geworden. Matthias fotografiert mittlerweile seit fast 2 Jahren und ist seit ein paar Monaten ein Besitzer der Canon 50D mit einem 50mm F1,8. Seine Motivwahl reicht  inzwischen von der Landschafts-bis zu den Portraitaufnahmen. Wobei es ihn immer mehr in Richtung der Portraitierung von Menschen zieht, da er die ständig wechselnden Mimiken als Herausforderung, aber auch als eine Variabilität in seiner Fotografie sieht. Bevorzugt arbeitet er mit Schwarz/Weiß Bildern um diesen einen zeitlosen Charakter geben zu können.

Im Flickr Stream von Matthias bin ich auf dieses  Bild aufmerksam geworden. Ich finde es auf den ersten Blick, durch die weichen Kontraste, eher etwas unauffällig. Allerdings war ich überrascht, wie sehr einen der erste Blick trüben kann. Denn es hat eine sehr Interessante Wirkung, finde ich. Aufgenommen wurde das Bild mit einer Panasonic DMC-TZ3 bei einer 1/400 Sek., Blende 3,3 und einer Brennweite von 28mm.

Zu sehen ist ein Grashügel oder Damm mit einer Sitzbank und einer Laterne. Auf der Laterne sitzt eine Möwe und auf der Bank eine Frau, die uns den Rücken zugedreht hat. Im Hintergrund sieht man leichte Wolkenstrukturen was auf einen eher trüberen Tag schließen lässt. Um den Betrachter nicht von farblichen Eindrücken ablenken zu lassen hat sich hier Matthias für Schwarz/Weiß entschieden was den Betrachter Zielgerichtet auf die Laterne als auch auf die Bank lenkt, vermute ich. Auch verliert der Himmel an Bedeutung und beschränkt das Blickfeld des Betrachters auf die „Spitze“ des Damms.

Meiner Meinung nach müsste es sich hier um einen typischen Damm an der See handeln, wofür auch die Möwe als auch das raue/düstere Wetter spricht. Aber auch die ausgehende Ruhe im Bild. Dadurch, dass es hier nur 2 Hauptmotive – Möwe mit Laterne und die Dame mit der Bank – gibt und keine anderen störende Elemente hiervon ablenken, halte ich das Bild für sehr geordnet und dezimiert, was aber in keinster Weise die Wirkung des Bildes beeinträchtigt, sondern fördert.

Wenn ich dieses Bild betrachte muss ich immer etwas schmunzeln. Ich finde die Komposition zwischen der Dame und der Möwe sehr amüsant. Es zeigt mir das der Mensch im Einklang mit der Natur leben kann, als auch der Vogel im Einklang mit uns, der Zivilisation. Es ist also ein Leben nebeneinander möglich, die “zwei Models” zeigen das sehr gut, wie sie in die ferne Blicken und die Ruhige Zweisamkeit genießen.

Ich finde die Fotografie von Matthias sehr gelungen, was man wohl aber erst auf den 2. oder 3. Blick sieht bzw. klar erkennt. Die weichen Kontraste als auch das minimalistische Wirken des Gesamtbildes fördern die Komposition zwischen Möwe und Mensch. Dennoch hätte ich mir vielleicht einen Tick mehr Kontrast auf der Möwe gewünscht – die Bank mit dem hellen Ton hebt sich im Gegensatz schon sehr gut ab. Das der Himmel mit den feinen Strukturen kaum Aufmerksamkeit erhält finde ich nicht störend, sondern fördernd, um vom Hauptmotiv, dem Damm, nicht abzulenken. Ein Interessantes Bild wo sicherlich auch ganz andere Interpretationen möglich sind, wie der Titel auch erahnen lässt hat sich hier Matthias vielleicht etwas ganz anderes vorgestellt – “Timeless”. Es kann aber auch sein das manch einer nicht so viel damit anzufangen weiß. Ein nicht ganz einfaches Motiv für jedermann.

Weitere Bilder von Matthias findet ihr in seinem Flickr-Stream wo er aktuell ein paar sehr schöne Portraitaufnahmen zeigt.

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Markus Lochner am 03. Dezember 2010

Inmitten des ersten Schneetreibens in Deutschland bin ich auf eine Beitragsreihe über den letzten Italien Urlaub von Martin Wolf gestoßen. Martin kommt aus dem schönen Hamburg und hat die Fotografie als sein Hobby entdeckt. Seither lebt er sie in allen Zügen der Kreativität und Individualität aus.

ItalienDas zu besprechende Bild stammt aus einer ganzen Serie (mit 4 Teilen) eines Italien Urlaubs. Entstanden ist das Bild scheinbar in einer kleinen typischen Stadt Italiens mit einer Canon EOS 5D EF50mm f/1,8 mit den Aufnahmeparametern: 1/640 Sek. f2,5 und ISO 100.

In der Bildmitte ist ein sehr dominierender Baum auf den ersten Blick zu erkennen. Doch diesem spricht man keine wesentliche Bedeutung zu beim näheren betrachten des Bildes. Ein Objekt so mittig zu setzen halte ich für sehr untypisch und dies weckte mein Interesse, aus welchen Gründen man solch einen Baum dominant und scharf abbildet in einer solch detailreichen Stadt. Lässt man aber vom Baum ab, ist auf beiden Seiten fast ein Bild für sich zu erkennen – beide Seiten aber mit dem typischen südlichen Flair.

Auf der linken Seite erkennt man einen Herren auf seinem Fahrrad und landestypische Hausfassaden einer kleinen Vorstadt. Die rechte Seite wirkt eher wie ein kleiner grüner Fleck inmitten einer Großstadt, wobei die leere wiederum gegen eine Großstadt spricht. Ein Interessanter Widerspruch der sich mir hier auftut. Zum einen repräsentiert der Herr das Stadtleben in der kleinen Vorstadt, die Blumen auf der anderen Seite wiederum die Ruhe einer Großstadt – wenn es sowas wie Ruhe in einer Großstadt überhaupt gibt. Meiner Meinung nach teilt der Baum eine Straße in zwei Welten die kaum unterschiedlicher sein können.

Beim näheren betrachten sieht man noch mehr Elemente die dafür sprechen. Auf der Großstadtseite befinden sich auch einige Werbetafeln oder Hinweißschilder wobei man hingehen diese auf der linken Seite vermisst. Auch der Herr verbreitet eine lockere und fröhliche Art die sehr typisch für ländliche Gegenden ist, als für den üblichen Großstadttrubel. Nun stellt sich dem Betrachter eigentlich die Frage, was ist es nun: Großstadt, Vorstadt oder doch nur ein schickes Dorf? Man wird es hier nicht erfahren.

Die gesetzte Schärfe auf den Baum weckt ohne Frage das Interesse drumherum. Man erkennt zwar relativ gut alle Umrisse, für Details allerdings benötigt man seine eigene Vorstellungskraft. Zuletzt fiel mir in dem Bild dennoch ein sehr gut zu erkennendes Detail auf, welches man allerdings beim Betrachten erst recht spät bemerkt. Es handelt sich hierbei um einen Olivenbaum, was anhand der Blätter zu erkennen ist – allerdings bin ich kein Profi beim bestimmen von Pflanzenarten daher kann dies natürlich auch falsch sein.

In meinen Augen ein sehr gut gelungenes Bild was nicht nur 2 eigene Bilder – linke und rechte Seite – für sich beinhaltet, sondern im Gesamtkontext das Interesse beim Betrachter weckt. Das der Herr auch noch zum richtigen Zeitpunkt sein Drahtesel durchs Bild fahren lies, gibt dem Bild natürlich die Lebendigkeit und den gewissen i-Punkt.

Weitere Fotos aus der Serie von Martin Wolf findet ihr in den Teilen 1, 2, 3 und 4 des Italien Urlaubs. Sowie weitere Bilder als auch lesenswerte Beiträge in seinem Blog “visuelleGedanken” .

Advents-Bonus: Martin hat gestern ein ausführliches Video zu seiner Bearbeitungstechnik der Italien Fotos veröffentlicht

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Bjoern Gundermann am 19. November 2010

In diesem Artikel möchte ich Euch Heute ein weiteres Projekt vorstellen, dem ich von Zeit zu Zeit nachgehe.

Die Crux besteht diesmal nicht darin z.b. auf eine bestimmte Festbrennweite wie im Projekt “85mm” beschränkt zu sein, nein diesmal liegt die Konzentration in der eingesetzten Belichtungszeit, wie der Titel vermuten lässt, exakt “1/8″ Sekunde.

Auf dieses Projekt gekommen bin ich durch den bekannten Portraitfotografen Jim Rakete. Er hat u.a. einen Bildband namens “1/8 sec” veröffentlicht.  In diesem portraitierte Jim Rakete zahlreiche Personen mit einer alten Plattenkamera die eine Verschlusszeit von 1/8 Sekunde zuließ.  Vor der Kamera mussten die Personen sehr ruhig verharren um durch die relativ lange Belichtungszeit nicht zu verwackeln.

Mir persönlich gefiel die Vorstellung mit einer vorgegebenen Belichtungszeit zu arbeiten. 1/8 Sekunde ist nebenher eine sehr spannende Belichtungszeit da sie Bewegung sichtbar macht, aber genau diese Bewegungen  noch nicht bis zur Unkenntlichkeit verwischen.

Ich habe mittlerweile 3 verschiedene Techniken am Start, je nachdem welchen Bildeffekt ich erreichen möchte.

Die starre Kameraperspektive

Die einfachste und sozusagen der Klassiker der 1/8 Sekunde Technik. Man fixiert die Kamera auf einem Stativ oder mit einer extrem ruhigen Hand. Man wartet bis sich das gewünschte Motiv beim Auslösen in 1/8 Sekunde durchs Bild bewegt. Damit der Effekt sehr intensiv wirkt und nicht einfach nur verwackelt aussieht, achte ich hier sehr genau darauf, scharf abgebildete Motivteile im Bild zu haben.  Wie im Bild zu sehen, war es mir wichtig die umgebende Architektur scharf abzubilden, während die Passanten im vorbei laufen dann die Bewegung sichtbar machen. Tipp: Wenn Ihr kein Stativ nehmt, die Kamera oder das Objektiv aber einen internen Stabilisator besitzen, dieser hilft hervorragend damit das Bild nicht zu stark verwackelt.

Der Mitziehereffekt

Eigentlich aus dem Sportbereich stammend verfolgt man ein vorbei rauschendes Motiv mit der Kamera, z.b. eine vorbeiziehende U-Bahn. Bewegung wird hier sehr deutlich, das Bild gewinnt enorm an Dynamik durch Bewegungsunschärfe, dennoch wird versucht auch hier ein halbwegs scharfes Bildmotiv abzulichten, hier im Bildbeispiel Fahrgäste sitzend hinter der Fensterscheibe einer abfahrenden U-Bahn. Wäre ich hier mit der Kamera nicht mitgezogen, dem Bild würde die angesprochene Dynamik fehlen, das U-Bahn Abteil wäre u.U. zu langweilig scharf und eingefroren abgebildet. Hier hilft ein Bildstabi allerdings nur bedingt.

Das selbe Prinzip funktioniert auch prima bei diversen Fahrgeschäften auf einem Jahrmarkt. Allerdings sind viele Fahrgeschäfte  sehr schnell unterwegs, hier braucht es dann doch die nötige Engelsgeduld um das Motiv überhaupt zu erwischen und dann fürs Auge halbwegs attraktiv auf dem Sensor zu bannen.

Die Verfolgerperspektive

Diese Technik ist schon fast eine Kombination aus den beiden vorgenannten Methoden zur 1/8 Sekunde. Hier erzeuge ich als Fotograf selbst die nötige Bewegungsunschärfe, indem ich mein Motiv quasi mit der Kamera auf  Schritt und Tritt verfolge und im richtigen Moment fürs Bild auslöse.  Wie im Bildbeispiel zu sehen, hat es mir ein Passant angetan der mit den farbigen Einkaufstüten aus der Masse hervor stach. Da ich die Hektik und den Rummel einer belebten Einkaufsmeile sichtbar machen wollte, sorgte ich mit dieser Verfolgerperspektive dafür, dass die Umgebung diesmal nicht scharf sondern stark verschwommen abgebildet wird.  Allerdings ist es dann wichtig dass das eigentliche Hauptmotiv dann noch gut zu erkennen ist,  ansonsten funktioniert das gesamte Bild nicht und die Aufnahme wird nur als stark verwackelt und Inhaltslos gewertet.

Es braucht auch in dieser Technik etwas Übung, einerseits sollte man drauf achten,  das Tempo seines Motivs zu halten, gleichzeitig beim laufen die Kamera aber möglichst entspannt und ruhig mit den Händen zu führen.


Insgesamt empfehle ich mit möglichst weitwinkligen Brennweiten zu arbeiten, denn kurze Brennweiten ermöglichen bei relativ langen Belichtungszeiten ein noch relativ scharfes Grundbild. Bei einem Teleobjektiv genügen bereits kleinste Bewegungen und das Bild ist am Ende nur noch verwackelt.  Für 1/8 Sekunde nur sehr schwer einsetzbar, es sei denn man arbeitet dann mit Stativ.

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Markus Lochner am 09. November 2010

Beim durchsuchen eines Foto-Forums bin ich durch Zufall auf eine kleine Bildserie von Konstantin Escher gestolpert. Diese entstand in der Messe und Buchstadt Leipzig. Dadurch das ich selbst eine Zeit lang in Leipzig gelebt habe, habe ich eine besondere Verbundenheit zu dieser Stadt und sehe Bilder vielleicht aus einem anderen Blickwinkel. Aus der Serie habe ich mir ein Bild ausgesucht, um dieses hier zu besprechen.

Konstantin geht der Fotografie seit etwa 2004 nach, als er versuchte bei seinem USA Aufenthalt alle Eindrücke digital einzufangen. Der Weg führte zu einer Canon 350D die lange sein Wegbegleiter war, welche aber vor kurzem durch die 550D abgelöst wurden. Seine Vorlieben entdeckte er durch die Filmerei mit der DSLR. Er kaufte sich alte M42-Objekte und lernte das Bokeh dieser Optiken zu schätzen. Allerdings achtet er stets darauf sein Motiv nicht von der Umwelt abheben zu lassen, sondern diese mit ins Bild einzubinden. Konstantin ist immer auf der Suche nach andere Enthusiasten der Fotografie die aus dem Raum Leipzig kommen und mit ihm auf Tour gehen wollen – was ich, bei meinem nächsten längeren Leipzig Aufenthalt, auch mal wahrnehmen möchte.

Das Bild, welches ich hier besprechen will, ist in einer Straße von Leipzig entstanden. Typisch für Leipzig sind die “Mini”Kopfsteinpflaster Fußwege – welche mir auch sehr in Erinnerung geblieben sind. Aber auch die grüne Umgebung, in der die Stadt liegt, ist deutlich zu erkennen. Die Parameter der Aufnahme sind wie folgt: Canon EOS 550D; Canon EF 50mm 1,8 II; F1,8; 1/395 Sek.; ISO100.

Was hat mich aber nun gereizt genau dieses Bild zu besprechen bzw. es überhaupt Interessant zu finden? In meinen Augen ganz einfach, es ist fast “Alltäglich” das ein alter Roller am Straßenrand steht und darauf wartet in die Welt gefahren zu werden.  Aber erst die richtige Inszenierung eines solchen Objektes macht es auch für mich oder den Betrachter Interessant. Das Motiv liegt sehr dicht am linken Rand und springt den Betrachter fast an und bettelt darum betrachtet zu werden. Erst beim zweiten oder dritten Blick sieht man den Gehweg, die geparkten Autos oder das genannte Kopfsteinpflaster, sowie die grünen Bereiche von Leipzig. Reicht dies nun aber aus Interessant zu sein? Nicht ganz. Die eingesetzte Blende, welche den Hintergrund unscheinbar aber auch Interessant erscheinen lässt, baut die Spannung auf. Die Vespa ist schön scharf, ein Vespa Liebhaber könnte sich daran womöglich ergötzen, und zeigt dem Betrachter genau worum es dem Fotografen geht.

Es geht um das Moped, am Rand eines “typischen” Gehsteiges. Ist nun das Interesse geweckt, dank der technisches Umsetzung einer Offenblende, kann man sich sehr gut auf das Gesamtbild einlassen. Was mir immer wieder ins Auge fällt, und worüber ich komischerweise schmunzle, ist das Schloss. Was dank der Regenrinne/Rohr gesichert ist an einem Gebäude. Man könnte meinen das Schloss ist dafür da die Vespa zu bändigen, da sie ohne einen Steuermann losfährt und nicht mehr stehen bleibt. Lässt man von der schönen Vespa ab, lassen sich geparkte Autos erkennen, sowie Bäume, Laub oder bewachsener Gehsteig. Wer genau hinsieht kann sogar eine Person mit einem Hund erkennen – was allerdings schon ein wenig Interpretations Fähigkeit und Willen voraussetzt.

Das Bild ist insgesamt in sehr sanfte, zurückhaltende Farben gehalten und wird durch die warmen Farbtöne oder auch Herbsttöne im oberen rechten Teil des Bildes aufgefrischt. Durch diese Umsetzung wirkt die Gestaltung sehr authentisch zu der alten Vespa die eigentlich aus einer ganz anderen Zeitschiene stammt und eher zu einem alten Straßenbild gehört. Aber auch diese Kontroverse, alter Roller in der Neuzeit weckt in mir das Interesse am Bild.

Schön ist auch zu beobachten wie Dominant sich das Kraftrad im Bild präsentiert. Es ist sonst typisch das man ohne einen “Stoppper” aus dem rechten unteren Rand aus dem Bild fällt bzw. das Interesse verliert. Es ist hier aber Konstantin gelungen die Szene so darzustellen, das es die Perspektive zusammen mit dem Roller schafft den Betrachter im Bild zu halten und immer auf die Vespa zu konzentrieren. In meinen Augen macht dies ein gutes Bild aus, wenn der Betrachter das sieht, was auch der Fotograf einen zeigen wollte.

Weitere Bilder von Konstantin können unter seinem Flickr oder deviantArt Account betrachtet werden. Wer sich wiederum auch für seine Videokünste Interessiert sollte seinen Vimeo Account näher ansehen – mir hat am besten sein Video aus Prag gefallen. Vielen Dank hier auch an dieser Stelle an Konstantin das er mir sein Bild zur Verfügung gestellt hat – freu mich schon auf ein Photowalk durch Leipzig ;-).

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Markus Lochner am 31. Oktober 2010

Mit dem Flieger ging es diese Jahr für mich 6 Tage nach Wien. Die Stadt der Sachertorte, des Praters, des Stephansdom und des Schloss Schönbrunn. Für mich war dies der erste Aufenthalt, daher gab es die  typischen Touri Vorbereitungen. Punkte wie die Hofburg, Schloss Schönbrunn, Schloss Belvedere oder die Spanische Hofreitschule waren obligatorisch auf der to- do Liste. Dennoch planten wir viele  Spaziergänge durch die Gassen Wiens  – um auch das echte Herz von der Bundeshauptstadt kennenzulernen.

Ich möchte mit diesem Beitrag Wien ein wenig vorstellen – was allerdings jeder Reiseführer besser kann als ich – und auf Orte hinweisen, die auch das Fotografische Herz höher schlagen lassen. Aber kurz zu ein paar Allgemeinen Fakten: Die Stadt besitzt ca. 1,7 Millionen Einwohner, liegt direkt an der Donau und beherbergt sehr viel bekannte Geschichtsereignisse aus vergangener Zeit. Die Altstadt besitzt besonders viel Flair, da durch Luftangriffe im 2. Weltkrieg etwa nur 1/5 der Stadt zerstört worden ist. Als Fotograf habe ich mich in dieser Weltstadt sehr wohl gefühlt, im Öffentlichen Bereich gab es nie Probleme mit dem Fotografieren. Auch habe ich mich zu jeder Tages-  und Nachtzeit im Zentrum immer sicher gefühlt und keinerlei Angst um mich oder die Ausrüstung haben müssen.

Zurück zu den vielen kleinen Gassen und Plätzen, welche mit ihren gepflegten Altbauten der Stadt Wien den Flair geben und welche ich mit meinen Bildern zum Ausdruck bringen möchte. Stellenweise fühlt man sich in ganz andere Zeiten zurückversetzt. Die besagten Gassen und Plätze lassen sich sowohl im eigentlichen Zentrum als auch in den etwas außerhalb gelegenen Bezirken finden. Unter anderen sind alte Fassaden von Bäckereien oder Kneipen zu sehen, die ich in dieser Form und Art sonst nur aus älteren Filmen oder Bildern kenne. Es empfiehlt sich also immer mal die typischen Touri-Pfade zu verlassen und sich seinen eigenen Weg zu bahnen – auch mal die Straßenbahn oder U-Bahn stehen zu lassen und seine Lauforgane zu verwenden. Wobei man hier sagen muss, dass die Öffentliche Infrastruktur in Wien hervorragend ist und man jeden Ort sehr einfach und komfortabel erreichen kann.

Auch die Historischen Straßenbahnen, die das Straßenbild von Wien zieren, sind einige Bilder Wert. Sowohl im Wagen als auch die kleinen Details an den Wägen lassen sich wunderbar hernehmen für tolle Motive. Auch für das üben seiner Mitzieherkünste bieten diese Fahrgeräte sich optimal an. Auch ich habe mich sowohl im und am Wagen versucht. Streckenweise fährt die Bahn auch unterirdisch, diese Stationen bieten sich auch für manch interessantes Bild an.

Neben den Motiven auf den Straßen haben die Schlösser, wie zum Beispiel das Schloss Schönbrunn mit dem angrenzenden Tiergarten, dem Palmen und Wüstenhaus auch zahlreiche Motive. Hier ist allerdings darauf verwiesen, dass in fast allen Schlössern striktes Foto-Verbot besteht. Die Außengelände sind von den Verboten aber nicht betroffen – und zudem auch kostenlos begehbar. Am Rande noch der Hinweis, in so manchem Schloss rendiert sich eine Karten-Reservierung, da der Menschenanlauf sehr groß sein kann. Der Garten des Schloss Schönbrunn bietet sich hervorragend an um “typische” Touri Bilder anzufertigen aber auch um seinen Drang nach Symmetrie zu befriedigen. Der darauf folgende Aufenthalt im Tiergarten birgt die typischen Tierfotos, wobei mir hier eine frei lebende Natter(vermutlich) über die Füße kroch. Das am Ausgang befindliche Palmenhaus wiederum bietet dem Flora-Fan sehr viele Reize, aber auch die riesige Konstruktion kann dem einen oder anderen nicht Flora-Fan zu einem Besuch überzeugen.

Das wohl bekannteste Motiv neben den Schloss-Motiven ist das Wahrzeichen am Prater, das Wiener Riesenrad. Neben diesem Bauwerk von 1897 stehen noch viele andere Neue als auch alte Fahrgeschäfte am Prater und warten auf ihre Kundschaft. Die Fahrt mit dem Riesenrad ist ein obligatorischer Punkt, wir wählten eine Nächtliche/Abendliche Fahrt. Allerdings möchte ich diese gerne nochmal am Tage wiederholen um Aufnahmen der interessanten Stahlkonstruktion zu fertigen.

Wien hat allerdings noch viel mehr als die wenigen von mir benannten Punkte, die verschiedenen Hundertwasserhäuser, die unzähligen Museen(vom Gulasch- bis zum Sissi-Museum), Theater und andere Bühnen zu bieten. Auch ist es zu empfehlen sich über Restkarten an der Abendkasse in der Oper zu Informieren (allerdings sollte der Anzug im Gepäck hierfür sein) oder aber die Live-Übertragung am Vorhof der Oper in den Sommermonaten zu genießen. Ein Besuch der UNO-City ist für Architektur-Fans mit Sicherheit auch zu empfehlen, obwohl ich selbst ein Fan dieser Genres den Weg dorthin nicht gefunden habe aufgrund des Zeitmangels. Wien bietet  eine Vielzahl von Motiven verschiedener Geschmacksrichtungen an, aber auch um kulturelle Verlange nach musikalischen oder schauspielerische Künste zu befriedigen.

Zuletzt möchte ich noch einen kleinen Tipp von mir los werden. Wer nach Wien fährt um das echte Wiener-Schnitzel zu essen, sollte sich vielerorts überlegen ob das normalgroße Schnitzel ihm so viel Geld Wert ist. Am bekanntesten wird wohl der Figlmüller sein mit seinen großen Schnitzel. Wer es aber noch Traditioneller, auch etwas günstiger, haben möchte möge doch in die Beisl “zu den 2 Liserln” einkehren und sich das Wiener Schnitzel schmecken lassen – mir hat es sehr gemundet und der Kartoffelsalat kam aus Platzgründen in einer extra Schüssel.

Bilder von meinem Aufenthalt finden sich in der unten stehenden Galerie wieder. Ein Teil meiner Bilder sind mit GPS Daten versehen und können somit für eure Routenplanung in Wien behilflich sein. Gerne stehe ich auch bei Fragen oder Erfahrungen hier im Blog oder per Mail zur Verfügung.

Wien 2010

47 Fotos

Carsten wurde durch die Blitz-Blogparade auf unseren Blog aufmerksam und verfasste daraufhin eine tolle Vorstellung der PHOTOWOKERS, auf seiner Seite. Da ich diese Arbeit natürlich auch “honorieren” möchte, stelle ich heute seine Website vor und gehe dann spezieller auf ein Bild von ihm ein.

Der Blog von Carsten handelt von seinen Fotografien, aber auch was ihm im Netz über den Weg läuft und er seinen Lesern mitteilen möchte. Besonders auffällig sind seine zahlreichen People-Aufnahmen, auf die er ein besonderes Augenmerk gelegt hat. Beeindruckend finde ich dahingehend seine Hochzeitsfotografien, auf die er einen Schwerpunkt gelegt hat.

Meiner Meinung nach wirken seine Bilder insgesamt sehr harmonisch und natürlich. Kein künstliches Licht, sondern hauptsächlich Available Light, also natürliches Licht um Szenen so einzufangen wie er diese auch vorgefunden hat. Er konzentriert sich auch darauf, die Persönlichkeit einer Person auf den Sensor zu bannen, eine nicht leicht umzusetzende Aufgabe.

Carsten ist aber auch neben seinem Steckenpferd, der Peoplefotografie, auf anderen Genres unterwegs, wie zum Beispiel der Nachtfotografie. Das Bild, das ich aus seinem Blog gefischt habe, ist ein solches (Bild). Es ist ein Foto von einem Irish Pub bei Nacht und Regen. Sein Ziel war es eine Szene zu kredenzen, die so wirkt, als wolle ein Passant einkehren oder daran vorbeigehen.

Die Aufnahme entstand mit einer Canon 50D zusammen mit dem Canon EF-S 18-55 3,5-5,6 IS , die Parameter der Kamera waren 10 Sek. bei F8,0 mit ISO100. Es zeigt, wie oben schon genannt, ein Irish Pub inmitten einer verregneten Nacht. Manch einer würde das Bild, sobald es auf dem Display erscheint, sofort Löschen. Es ist nicht knackig Scharf und Regentropfen haben auch noch die Linse besetzt. Carsten löschte dieses Bild nicht, warum?

Für mich gibt es hier eine Erste und ganz einfache Aussage: Es ist ein anderes als alle anderen Nachtbilder. Aber das allein ist noch kein Grund das ein Bild Stil und Aussage besitzt. Es macht die Kombination zwischen interessantem Motiv und der “Zerstörung” durch das Wasser auf der Linse. Ein hell beleuchtetes, mit Glas ausgekleidetes  Pub zieht immer die Blicke auf sich, man möchte sehen was darin los ist.

Ist der kurze Wissensdurst nach dem Inneren gestillt – es handelt sich augenscheinlich tatsächlich um einen Pub -, fallen einem die Artefakten, auch Regentropfen genannt, auf. Es sind aber keineswegs Artefakten sondern erweitern meiner Meinung nach das Bild. Es verstärkt die grellen Lichter aus dem Pub und lässt den Betrachter verweilen, um zu identifizieren was Quelle und was Spiegelung ist. Auch hüllen die Tropfen teilweise die Werbeschriften in Teilwörter. Welche man aber dank der doppelt aufgeklebten Schriften leicht kombinieren kann und man das “Irish Harp Pub” lesen kann.

Zu guter Letzt kommt die kleine aber stilvolle Umgebung mit Werbeaufschriften, seltenen Schwingungen der Ladenaussenseite und das was zu einem Bürgersteig dazu gehört. Wer jetzt aber sich noch etwas Zeit lässt und das ganze genauer betrachtet kann einige verschiedene Menschen, oder eher vielleicht Gestalten, erkennen. Diese menschlichen Umrisse vergeben dem Bild noch zusätzlich Leben und Authentizität. Denn der Pub hat augenscheinlich geöffnet und bringt das frische Guinness auf den Tisch. Aber auch eine kleine und verschwommene Vorstellung der Inneneinrichtung lässt sich erahnen. Hier ist aber die Fantasie des Betrachters gefragt – jedes Augenpaar wird den Innenraum anders Interpretieren.

Ist das alles aber nun ein Foto bzw. eine Veröffentlichung Wert? JA, ist es. Ich mag diese nicht alltäglichen Bilder. Das diese “nicht” perfekten Bilder nicht jeden Geschmack treffen ist klar – dafür ist es Kunst wo verschiedene Geschmäcker zugelassen sind. Vielen Dank Carsten, dass ich dein Bild besprechen und meine Sichtweise auf das Bild preisgeben durfte. Dieses Bild und viele andere sind auf seinem Blog bzw. Portfolio zu finden.

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Markus Lochner am 22. Oktober 2010

15 Minuten, 2 Fotografen, 1 Festbrennweite, 1 Location, das sind die Zutaten zu unserer mittlerweile sich wiederholenden 15 Minuten Challenge “Gegen die Zeit”.

Diesmal hat uns unser Samstagsausflug in die nahe gelegene Stadt Ingolstadt geführt. Obwohl Nürnberg und Ingolstadt eine kaum Nennenswerte Geographische Distanz besitzen, waren wir bis Dato nicht in dieser Gegend unterwegs – eher suchten wir uns weiter entfernte Ziele aus. Doch diesmal führte uns der Zug nach Ingolstadt – bekannt auch als Zwischenhalt zwischen Nürnberg und München.

Um dem Stadtbesuch wieder eine gewisse Herausforderung zu stellen haben wir uns eine unbekannte Ecke ausgesucht und uns mit 50 bzw. 85mm innerhalb 15 Minuten auf die Pirsch nach Motiven gemacht.

Als Location für das 15 Minuten Speedshooting diente uns ein Öffentliches Gelände eines Gymnasiums sowie einer Berufsfachschule. Das Areal bestach sowohl durch alte Backstein Gebäude sowie Gebäude in modernerem Baustil.Aber auch viel Grün bot die Anlage zusammen mit einer “versteckten” Tiefgarage im Untergrund. Die Motivwahl war bzw. ist also vielfältig gewesen.

Aber auch genau diese Vielfältigkeit der Motive hatte hier seine Tücken. Einerseits war das Auge gerichtet auf die moderne Architektur der Gebäude, andererseits lockten auch die Grünflächen mit Ihren typisch herbstlichen Akzenten.

Dennoch haben wir beide es wieder geschafft einige Bilder auf den Sensor zu bannen, bei erster Sichtung vorort auf den Kameradisplays waren wir wieder sehr erstaunt was man aus 15 Minuten Zeit fotografisch herausziehen kann.

Die Ergebnisse seht Ihr natürlich wie gewohnt in unserer Galerie.

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Markus Lochner am 10. Oktober 2010

Nach einer längeren Pause der Bildbesprechung möchte ich mich mit dem Bild von Claus W. Vogl zurückmelden.

Claus kommt aus meiner Region und ist ein Fotografischer Wegbegleiter. 1966 besaß er bereits seine erste Kamera und ging seither der Fotografie nach. Seine Motivwahl ist weit gefächert und findet keine Grenzen. Auf seinem Blog scharfblick.net präsentiert er neben seinen Bildern auch derzeit eine Serie mit dem 8mm Fisheye die immer Montags erscheint. Die hier gezeigte Aufnahme entstand Anfang diesen Jahres inmitten der Fränkischen Pampa und war lange geplant. Eine solche perfekte Wellenlinie durch fahrende Autos zu erhalten bedarf viel Geduld, die hier Claus sehr gut bewiesen hat.

Claus W. VoglAufnahmen dieser Art gibt es viele, hier wird die Wörtliche Übersetzung der Fotografie – “Malen mit Licht” – mehr als deutlich. Allerdings gibt es in meinen Augen nur wenig solch herausragende Bilder wo so gezielt mit Form und Licht gearbeitet wurde. Deswegen habe ich auch Claus gefragt ob ich sein Bild hier besprechen darf.

Die Aufnahme wurde mit einer Canon EOS 7D und einem Canon EF24-105mm f/4L IS USM aufgenommen in Kombination mit einem Stativ. Durch die lange Belichtungszeit kommen die deutlichen Lichtspuren zustande.

Das Bild zeigt eine geschwungene Straße mitten in der Nacht wo sichtlicher weise Autos unterwegs waren, findige Leser können nun die Rückscheinwerfer zählen. Die Rücklichter als auch die Scheinwerfer, die die Straße ausleuchtet haben geben dem Bild das was zu dieser Tageszeit braucht. Die dunklen Bereiche, die kein Licht abbekommen, schirmen das Motiv ab und geben dem Betrachter keinerlei Chancen auch nur Ansatzweise auf etwas Aufmerksam zu werden. Es wirkt wie eine Reduzierung auf das Wesentliche, wobei das Wesentliche schon recht viel bzw. groß ist.

Die Wahl zur Farbe ist Glasklar, nur hierdurch leuchtet das Rot rot und die Straße wird in ein ganz kühlen und eigenen Blauton getaucht was durch eine Schwarz/Weiß Umsetzung komplett verloren gehen würde. Auch fehlen hier meiner Meinung nach die Strukturen um dem Bild wieder den gewissen Reiz zu geben bei einer Reduzierung auf 2 Farben.

Der Blick wird sehr bestimmt, aber nicht aufdringlich, direkt in der Mitte des Bildes gehalten und fixiert. Das geschwungene “S” fängt jeden Blick nach kurzer Zeit wieder ein und hält diesem auf dem Hauptmotiv.

Was mir sehr wichtig ist, bei diesem Motiv, sind die nicht all zu harten Übergänge von hell zu dunkel. Besonders an den Brücken-Außenseiten erhält das Bauwerk durch ein wenig Licht einen sehr weichen Übergang in das tiefe Schwarz. Auch verleiht diese “Außenbeleuchtung” der Brücke eine Gesicht mit den Geländern und dem Betonteil als Untergrund.

Mir persönlich gefällt besonders die Beleuchtung der Straße. Als Autofahrer selbst oder nur als “Zuschauer” an der Straße hält man eine Straße bei Nacht nicht so sympathisch in Erinnerung. Besonders dadurch das das Bild sehr Ruhig und Ausgeglichen wirkt und gar nicht Hektisch oder Anstrengend, wie doch oftmals das Fahren in der Nacht oder ganz allgemein ist. Man denkt sich beim Blick auf Claus seine Fotografie: “Warum kann man nicht immer so befreit und lässig seine geschwungenen Kurven fahren, ohne den ganzen Stress auf der Straße”.

Ich muss gestehen, dass sich das Warten und das Auskundschaften für die Perspektive reichlich gelohnt hat. Auch 1x.com war der Meinung das dieses Bild es Wert ist in die Galerie dort aufgenommen zu werden. Claus Zitiert auf seinem Blog Ansel Adams mit: “Twelve significant photographs in any one year is a good crop.” – hier meine ich das dies eines seiner 12 von diesem Jahr war.

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