In diesem Artikel möchte ich Euch Heute ein weiteres Projekt vorstellen, dem ich von Zeit zu Zeit nachgehe.

Die Crux besteht diesmal nicht darin z.b. auf eine bestimmte Festbrennweite wie im Projekt “85mm” beschränkt zu sein, nein diesmal liegt die Konzentration in der eingesetzten Belichtungszeit, wie der Titel vermuten lässt, exakt “1/8″ Sekunde.

Auf dieses Projekt gekommen bin ich durch den bekannten Portraitfotografen Jim Rakete. Er hat u.a. einen Bildband namens “1/8 sec” veröffentlicht.  In diesem portraitierte Jim Rakete zahlreiche Personen mit einer alten Plattenkamera die eine Verschlusszeit von 1/8 Sekunde zuließ.  Vor der Kamera mussten die Personen sehr ruhig verharren um durch die relativ lange Belichtungszeit nicht zu verwackeln.

Mir persönlich gefiel die Vorstellung mit einer vorgegebenen Belichtungszeit zu arbeiten. 1/8 Sekunde ist nebenher eine sehr spannende Belichtungszeit da sie Bewegung sichtbar macht, aber genau diese Bewegungen  noch nicht bis zur Unkenntlichkeit verwischen.

Ich habe mittlerweile 3 verschiedene Techniken am Start, je nachdem welchen Bildeffekt ich erreichen möchte.

Die starre Kameraperspektive

Die einfachste und sozusagen der Klassiker der 1/8 Sekunde Technik. Man fixiert die Kamera auf einem Stativ oder mit einer extrem ruhigen Hand. Man wartet bis sich das gewünschte Motiv beim Auslösen in 1/8 Sekunde durchs Bild bewegt. Damit der Effekt sehr intensiv wirkt und nicht einfach nur verwackelt aussieht, achte ich hier sehr genau darauf, scharf abgebildete Motivteile im Bild zu haben.  Wie im Bild zu sehen, war es mir wichtig die umgebende Architektur scharf abzubilden, während die Passanten im vorbei laufen dann die Bewegung sichtbar machen. Tipp: Wenn Ihr kein Stativ nehmt, die Kamera oder das Objektiv aber einen internen Stabilisator besitzen, dieser hilft hervorragend damit das Bild nicht zu stark verwackelt.

Der Mitziehereffekt

Eigentlich aus dem Sportbereich stammend verfolgt man ein vorbei rauschendes Motiv mit der Kamera, z.b. eine vorbeiziehende U-Bahn. Bewegung wird hier sehr deutlich, das Bild gewinnt enorm an Dynamik durch Bewegungsunschärfe, dennoch wird versucht auch hier ein halbwegs scharfes Bildmotiv abzulichten, hier im Bildbeispiel Fahrgäste sitzend hinter der Fensterscheibe einer abfahrenden U-Bahn. Wäre ich hier mit der Kamera nicht mitgezogen, dem Bild würde die angesprochene Dynamik fehlen, das U-Bahn Abteil wäre u.U. zu langweilig scharf und eingefroren abgebildet. Hier hilft ein Bildstabi allerdings nur bedingt.

Das selbe Prinzip funktioniert auch prima bei diversen Fahrgeschäften auf einem Jahrmarkt. Allerdings sind viele Fahrgeschäfte  sehr schnell unterwegs, hier braucht es dann doch die nötige Engelsgeduld um das Motiv überhaupt zu erwischen und dann fürs Auge halbwegs attraktiv auf dem Sensor zu bannen.

Die Verfolgerperspektive

Diese Technik ist schon fast eine Kombination aus den beiden vorgenannten Methoden zur 1/8 Sekunde. Hier erzeuge ich als Fotograf selbst die nötige Bewegungsunschärfe, indem ich mein Motiv quasi mit der Kamera auf  Schritt und Tritt verfolge und im richtigen Moment fürs Bild auslöse.  Wie im Bildbeispiel zu sehen, hat es mir ein Passant angetan der mit den farbigen Einkaufstüten aus der Masse hervor stach. Da ich die Hektik und den Rummel einer belebten Einkaufsmeile sichtbar machen wollte, sorgte ich mit dieser Verfolgerperspektive dafür, dass die Umgebung diesmal nicht scharf sondern stark verschwommen abgebildet wird.  Allerdings ist es dann wichtig dass das eigentliche Hauptmotiv dann noch gut zu erkennen ist,  ansonsten funktioniert das gesamte Bild nicht und die Aufnahme wird nur als stark verwackelt und Inhaltslos gewertet.

Es braucht auch in dieser Technik etwas Übung, einerseits sollte man drauf achten,  das Tempo seines Motivs zu halten, gleichzeitig beim laufen die Kamera aber möglichst entspannt und ruhig mit den Händen zu führen.


Insgesamt empfehle ich mit möglichst weitwinkligen Brennweiten zu arbeiten, denn kurze Brennweiten ermöglichen bei relativ langen Belichtungszeiten ein noch relativ scharfes Grundbild. Bei einem Teleobjektiv genügen bereits kleinste Bewegungen und das Bild ist am Ende nur noch verwackelt.  Für 1/8 Sekunde nur sehr schwer einsetzbar, es sei denn man arbeitet dann mit Stativ.

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3 Comments to “Projekt ” 1/8 Sekunde””

  1. Alex sagt:

    Toller Artikel! Werde das Projekt 1/8 in den nächsten Tagen auch mal starten und bin schon sehr gespannt was dabei rauskommen wird. Schöne Site, schau jetzt öfters mal vorbei.

  2. Wojciech sagt:

    Wirklich klasse Idee! Danke für den kreativen Input, ich muss es umbedingt selbst ausprobieren.

    viele Grüße

  3. Sebastian sagt:

    Feine Sache! Markus hat mir nebenbei schon mal über dein Vorhaben erzählt. Eine Klasse Idee. Ich freu’ mich schon auf neue Bilder von dir!

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